Die Macht der Gefühle

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Dieser Beitrag zum Thema Macht der Gefühle ist ursprünglich als Fachartikel in der Zeitschrift “Gesunde Medizin” erschienen. Zum In-Ruhe-Lesen oder als Gedächtnisstütze kannst Du den Artikel als PDF herunterladen und ausdrucken. Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen und Erfolg bei der Umsetzung!

Die Macht der Gefühle

Sehr häufig scheint es so, als ob andere Menschen oder die Umstände für die Art und Weise, wie wir uns fühlen, verantwortlich sind. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchen kommen jedoch zu der Erkenntnis: In den meisten Fällen machen wir unsere Gefühle selbst. Doch wie und durch was steuern wir unsere Emotionen?

Gefühle sind momentane, subjektive Empfindungen. Diese können angenehm oder unangenehm sein und jeweils in ihrer Intensität variieren. Zu den menschlichen Grundgefühlen werden Angst und Trauer sowie Freude und Liebe gezählt. Wie entstehen unsere Gefühle? Eine der wesentlichsten Entdeckungen der letzten Jahre ist das Verständnis darüber, welche entscheidende Rolle das eigene Denken bei der Entstehung von Gefühlen spielt.

Jeder einzelne Gedanke hat Auswirkungen auf unsere Gefühlswelt. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass Gedanken einfach separat und unabhängig im Gehirn ablaufen und sonst keine weiteren Folgen haben. Wie Forscher auf dem Gebiet der Neurologie herausfanden, löst jedoch jeder Gedanke elektrische Impulse aus, welche wiederum elektrische und chemische Prozesse in Gehirn und Körper auslösen. Damit sind Gedanken enorme Kräfte, die wir bewusst einsetzen und somit unser Leben positiv gestalten können!

Gefühle verstehen

Man kann sich Denken und Fühlen als eine Form ständig ablaufender Kettenreaktionen vorstellen. Ein bestimmtes Verhalten einer Person oder ein Ereignis dient dabei als Auslöser. Diese Situation ruft Gedanken in Form von Bewertungen und Interpretationen hervor (häufig gespeist von vergangenen Erlebnissen und Erfahrungen). Aufgrund dieser Gedanken entsteht eine bio­chemische Reaktion im Gehirn. Dieser Prozess bewirkt die Ausschüttung von Stresshormonen (z. B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol) oder
im positiven Fall von Endorphinen (Glückshormone).

Diese Hormone sorgen dafür, dass die entsprechenden Gefühle und Körperreaktionen ausgelöst werden: Stresshormone erzeugen zum Beispiel Angst, Unruhe und Druck. Der Körper reagiert mit muskulärer Anspannung, die Blutgefäße verengen sich, der Herzschlag wird schneller, die Atmung wird flach und kurz, der Brustraum fühlt sich eng an. Glückshormone hingegen bewirken Gefühle der Freude, Leichtigkeit und Gelassenheit. Der Körper entspannt sich, der Pulsschlag reguliert sich, die Atmung ist tief und gleichmäßig, der Brustraum fühlt sich frei und weit an.

Alles nur eine Frage der Sichtweise?

Wie wir Sachverhalte bewerten und was wir dabei empfinden, hängt ganz von unserer unserer psychischen Beschaffenheit ab, wie die folgenden beiden Beispiele zeigen:

Jemand ist unfreundlich (Auslöser) und man denkt (Bewertung): „Diese Person mag mich nicht und ist unverschämt‘“. Daraufhin wird dieses Verhalten als Ablehnung empfunden und zusätzliche Emotionen wie Wut oder geringes Selbstwertgefühl können entstehen. Wer jedoch weiß, dass jemand gerade eine schwere Zeit durchmacht und dieser Mensch deshalb unfreundlich reagiert, denkt wahrscheinlich ganz anders darüber (alternative Sichtweise): Womöglich, dass man dies nicht so ernst nehmen darf, weil es dieser Person gerade nicht so gut geht. Als Folge kommen keine negativen Gefühle auf, obwohl der Auslöser (Unfreundlichkeit) der Gleiche war.

Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern das, was wir über die Dinge denken.

Seneca (1-65 n. Chr.), römischer Philosoph

 

In einer Firma soll es Entlassungen geben (Auslöser). Der eine kann womöglich Positives darin erkennen (Bewertung) und denkt: „Egal was kommt, es wird weitergehen. Ich finde schon wieder eine Anstellung oder nutze die Chance, mich endlich selbstständig zu machen“. Während diese Person der Situation ruhig und gelassen entgegensieht, denkt ein anderer Kollege ganz anders darüber und bewertet die Situation so: „Katastrophe, wenn mir gekündigt wird, finde ich aufgrund meines Alters sicherlich keinen Job mehr. Wie soll ich dann meine Familie ernähren und das Haus abbezahlen?“ Angst und Panik steigen auf und man ist womöglich unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen.

Wie diese beiden Beispiele zeigen, können zwei Menschen im Außen das Gleiche wahrnehmen. Ihr inneres Gefühlsleben kann trotzdem ganz unterschiedlich sein. Der Grund dafür ist, dass die beiden denselben Auslöser ganz anders bewerten und sich dadurch gegensätzliche Gefühle einstellen. Diese sind wiederum dafür verantwortlich, wie jeder einzelne auf das Erlebte reagiert und handelt.

Gefühle hängen also nicht davon ab, was passiert, sondern welche Bedeutung diesen Geschehnissen beigemessen wird. Positive Denkweisen erzeugen positive Gefühle und negative Einstellungen und Sichtweisen führen zu eher negativen Emotionen. Wer dies einmal erkannt und gespürt hat, kann seine eigenen Gefühle selbst steuern und hinderliche Sichtweisen und Bewertungen korrigieren. Denn wir können die Ereignisse, die von außen auf uns zukommen, meist nur schwer beeinflussen. Wir haben jedoch die Macht darüber zu entscheiden, wie wir uns fühlen und darauf reagieren möchten.

Wie lassen sich negative Gefühle verwandeln?

Wenn ein bestimmtes Ereignis negative Gefühle auslöst, besteht der erste Schritt darin, sich bewusst zu machen, welche Bedeutung einer bestimmten Situation beigemessen wird. Im zweiten Schritt gilt es zu entscheiden, ob wir uns weiterhin so fühlen wollen oder nicht. Fällt die Entscheidung für eine Veränderung der Gefühle, besteht der dritte Schritt darin, diesem Auslöser durch eine neue Sichtweise eine andere Bedeutung zu geben. Bei Schritt 4 wird die ursprüngliche Bedeutung immer wieder bewusst in Frage gestellt und selbstbestimmt durch neue Interpretationen ersetzt, welche positive, unterstützende Gefühle auslösen.

Macht der Gefühle

Das Verändern der Gefühle gelingt nicht von heute auf morgen. Wie fast alles im Leben ist auch dieses Hinterfragen der eigenen Bewertungen eine Übungssache. Je öfters dies trainiert wird, desto leichter wird dieser Prozess werden. Es gelingt dann immer schneller und einfacher, positivere Resultate zu erzielen. Am besten klappt es, wenn man sich diese Kettenreaktion schriftlich bewusst macht und die neuen Sichtweisen ebenfalls niederschreibt. Es empfiehlt sich, diese Liste bei sich zu führen und sich täglich
die darauf niedergeschriebenen Resultate bewusst zu machen. Ich wünsche dabei viele neue Bewertungen und gute Gefühle!

Wie Sie die eigenen Interpretationen entlarven können:

• Was ist das für eine Situation?

• Was denke ich darüber?

• Wie bewerte ich diese Situation?

• Wie fühle ich mich, wenn ich so denke?

• Wie verhalte und handle ich dann?

 

Hilfreiche Fragen, um andere Sichtweisen und Gefühle zu entwickeln:

• Entspricht das, was ich da denke, wirklich der Tatsache?

• Gibt es hieb- und stichfeste Beweise dafür, dass es wirklich so ist?

• Wie würde ich mich ohne diesen Gedanken fühlen?

• Wie möchte ich mich fühlen?

• Ist mir meine Bewertung nützlich, d.h. dient sie mir oder schadet sie mir mehr (hindert sie mich daran, meine Ziele und Vorstellungen zu erreichen)?

• Und wie könnte ich auf eine realistischere und positivere Weise darüber denken?

• Mit welcher Sichtweise würde ich mich besser fühlen und könnte eher das erreichen, was ich erreichen will?

• Und wie würde ich dann handeln?

• Für welche Einstellung und Reaktionskette möchte ich mich nun entscheiden?

 

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